Liegt Schnelligkeit in den Genen oder können Kinder Schnelligkeit trainieren?

Schnelligkeit ist eine Grundfähigkeit, die für fast alle Sportarten wichtig, wenn nicht sogar leistungsbestimmend ist. Die Schnelligkeit ist zum Teil genetisch bedingt, also abhängig von der Verteilung der Muskelfasertypen, die wir von den Eltern für unseren Körper mitbekommen haben, aber jeder kann seine maximale Schnelligkeit um bis zu 20 % verbessern. Schnelligkeit setzt sich unter anderem aus dem Zusammenspiel von Zentralnervensystem, Nervenleitgeschwindigkeit und muskulärer Aktivierung zusammen. Gerade diese Fähigkeiten sind im Kindesalter sehr gut entwickelbar! Daneben beeinflussen auch die Technik und allgemeine Faktoren wie etwa Alter, Trainingszustand und Motivation die Schnelligkeit.

 

Gibt es unterschiedliche Arten von Schnelligkeit und wie kann man diese trainieren?

Eines gilt immer: Will man die sportliche Leistung steigern, so ist dies nur mit einem ausgewogenen Training aller leistungsrelevanter Faktoren möglich. Wie bei Ausdauer, Kraft, Koordination und Technik gibt es auch bei der Schnelligkeit einige Unterschiede und somit auch verschiedene Bereiche, die sich trainieren lassen. Für ein reines Schnelligkeitstraining dienen Übungen, bei denen begleitende Leistungsfaktoren wie etwa Technik, Ausdauer oder Kraft ausgeschlossen werden. Diese Übungen dienen übrigens auch als Testübungen zur Überprüfung von Schnelligkeit. Man unterscheidet:

 

Reaktionsschnelligkeit

Damit ist das Reagieren auf optische (z.B. fliegender Ball) oder akustische Reize (z.B. Startschuss) gemeint. Trainierbar ist hier vorrangig die Wahrnehmung des Signales. Eine gute Möglichkeit diese zu trainieren, ist es, wenn die Kinder zu unterschiedlichen Signalen verschiedene Übungen ausüben: Zum Beispiel auf ein Klatschen hin, sich auf den Bauch zu legen, auf einen Pfiff auf einem Bein stehen. Wenn das gelingt, können akustische mit optischen Signalen kombiniert werden.

 

Aktionsschnelligkeit

Azyklische Aktionen, die nur einmalig mit höchstmöglicher Geschwindigkeit ausgeführt werden. Etwa ein Sprung, ein Wurf, ein Schlag auf den Ball. Für die Entwicklung der azyklischen Schnelligkeit gibt es viele einfache Übungen, die ohne großen Aufwand durchgeführt werden können:

 

  • Seilspringen in allen Variationen ist eine gute Vorbereitung,
  • Stiegensprünge, jede Stufe, 2 Stufen, einbeinig, beidbeinig,
  • Aus den verschiedensten Körperpositionen auf Kommando wegstarten,
  • Für die elementare Schnelligkeit beim Absprung eignet sich vor allem der Niederhochsprung. Hier springt man aus einer leicht erhöhten Position z.B. Kastenelement (max. 30cm) auf den Boden und springt gegenüber sofort wieder auf eine ca. gleichhohe Position. Ziel ist es, eine möglichst kurze Kontaktzeit zu erreichen. Wichtig ist eine hohe Gesamtkörperspannung. Fortgeschrittene können diese Übung auch einbeinig versuchen,
  • Aus einigen Schritten Anlauf abspringen und versuchen, mit kurzem Bodenkontakt hoch zu springen,
  • Einen Ball gegen die Wand werfen und wieder fangen mit allen erdenklichen Zusatzübungen wie Klatschen, eine Drehung, einmal zum Kopf greifen usf.

Das Augenmerk muss bei allen Übungen auf eine hohe Körperspannung gelegt werden, da sonst die Energie verpufft und am Körperschwerpunkt vorbei geht.

 

Zyklische Bewegungen wie Laufen, Radfahren, Schwimmen. Dieselben Bewegungen werden in gleichmäßigen Abständen mit höchster Geschwindigkeit wiederholt. Für die Entwicklung der zyklischen Schnelligkeit gibt es viele einfache Übungen, die ohne großen Aufwand durchgeführt werden können:

  • Mit möglichst keinen Schritten am Stand laufen (Tapping),
  • Trommeln mit beiden Händen, wenn möglich auch mit Sound, das macht besonders viel Spaß,
  • Stiegenlauf, jede Stufe einmal oder 2-mal berühren,
  • Klatschen so schnell wie möglich.

 

Wichtig keine Übung länger als maximal 6 Sekunden, dann 2 bis 3 Minuten Pause. Man kann dann die Übungen variieren und in verschiedensten Körperpositionen durchführen: Tapping im Sitzen, in Bauchlage, in Rückenlage, auch die Trommelbewegungen vorne, hinten, oben, unten usf.

 

UGOTCHI Tipp

Das Augenmerk muss bei allen Übungen auf die maximal schnelle Ausführung gelegt werden. Hierfür empfiehlt eine Stoppuhr und das Mitzählen der Wiederholungen, was rasch zu einem „Rekordwahn“ führt! Dadurch erhöht sich auch die Motivation, die eigenen Bestleistungen zu verbessern! Schnelligkeit soll im ermüdungsfreien Zustand trainiert werden. Trotz hoher Motivation müssen Pausen für die Regeneration eingehalten werden.

 

Literatur:

Monika Bauersfeld, Gerald Voss: Neue Wege im Schnelligkeitstraining, Deutscher Sportbund, Münster 1992.

https://www.original-bootcamp.com/blog/schnelle-gene-schneller-mensch.html (8.6.2020).

https://www.mobilesport.ch/aktuell/koordination-die-reaktionsfahigkeit-trainieren/ (8.6.2020).

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